Dein erstes Aquarium. Schritt für Schritt.
Von der Planung bis zu den ersten Fischen – ohne die Fehler, an denen die meisten Einsteiger scheitern.
Ein Aquarium ist ein kleines Stück Natur im Wohnzimmer – und es funktioniert nur, wenn Technik, Wasser und Bewohner zusammenpassen. Auf dieser Seite findest du alles, was du für den Start wissen musst, in der Reihenfolge, in der du es brauchst.
Der häufigste Anfängerfehler: Die Fische ziehen zu früh ein. Ein neues Aquarium braucht mehrere Wochen, bis sich genügend Bakterien angesiedelt haben. Plane diese Zeit von Anfang an ein.
1. Planen: bevor du etwas kaufst

Die wichtigsten Entscheidungen fallen, bevor du im Laden stehst. Wer hier sorgfältig plant, spart später Geld und Ärger.
Welche Größe?
Ein sehr kleines Becken wirkt einsteigerfreundlich, ist es aber nicht: Je weniger Wasser, desto schneller kippen Temperatur und Wasserwerte. Ein mittelgroßes Becken verzeiht Fehler eher. Am Ende entscheiden zwei Dinge: der Platz, den du hast, und die Fische, die du halten möchtest.
Wohin damit?
- Kein direktes Sonnenlicht. Sonne fördert Algen und heizt das Wasser auf.
- Platz zum Arbeiten: Du musst bequem an Becken, Filter und Stecker kommen.
- Abstand zur Wand: etwa eine Handbreit, bei einem Außenfilter mehr
- Steckdosen in der Nähe für Filter, Heizstab und Licht
- Ebener, tragfähiger Untergrund
Das Gewicht wird unterschätzt
Ein Liter Wasser wiegt ein Kilo. Dazu kommen Glas, Bodengrund und Deko. Als grobe Faustregel kannst du mit rund 1,5 Kilo pro Liter Beckeninhalt rechnen: Ein 100-Liter-Becken bringt also etwa 150 Kilo auf den Boden. Der Unterschrank muss dafür gemacht sein, und bei großen Becken in Altbauten lohnt ein Blick auf die Statik.
Aquarium-Rechner
Gib die Außenmaße deines Beckens in Zentimetern ein.
Faustregeln: Gesamtgewicht etwa 1,2 bis 1,3 kg pro Liter inklusive Glas, Bodengrund und Deko, ohne Unterschrank. Heizstab etwa 1 Watt pro Liter. Der Filter sollte den Beckeninhalt etwa zwei- bis viermal pro Stunde umwälzen. Das sind grobe Richtwerte – beachte immer die Angaben der Hersteller.
Erst die Fische, dann das Becken
Kläre früh, welche Tiere einziehen sollen. Manche Arten leben nur in Schwärmen, andere brauchen viel Schwimmraum, einige mehr Wärme als andere. Frag außerdem bei deinem Wasserversorger nach den Werten deines Leitungswassers, vor allem nach der Härte. Davon hängt ab, welche Fische sich bei dir ohne Aufwand wohlfühlen.
Checkliste: Planen
2. Ausstattung: was du wirklich brauchst

Filter
Der Filter ist das Herz des Aquariums. In ihm siedeln sich die Bakterien an, die das Wasser sauber halten.
- Innenfilter hängen im Becken, sind günstig und reichen für kleinere Aquarien.
- Außenfilter stehen im Unterschrank, sind leiser, leistungsstärker und nehmen im Becken keinen Platz weg.
Heizstab und Thermometer
Tropische Fische brauchen gleichmäßig warmes Wasser. Ein Regelheizer hält die eingestellte Temperatur, ein Thermometer zeigt dir, ob es stimmt. Bei Kaltwasserfischen ist ein Heizstab meist nicht nötig. [Link: Ratgeber Heizstab]
Licht mit Zeitschaltuhr
Pflanzen brauchen Licht, Fische einen Tag-Nacht-Rhythmus. Eine Zeitschaltuhr sorgt dafür, dass das Licht jeden Tag zur gleichen Zeit an- und ausgeht.
Bodengrund, Pflanzen und Deko
Unten ein Nährboden für die Pflanzen, darüber Sand oder Kies. Lebende Pflanzen sind kein Schmuck, sondern Mitbewohner: Sie verbrauchen Nährstoffe, die sonst Algen füttern. Steine und Wurzeln geben den Fischen Verstecke.
Wassertests und Wasseraufbereiter
Ohne Tests fährst du blind. Du brauchst mindestens einen Test für Nitrit und Nitrat, besser auch für Ammonium, pH-Wert und Härte. Ein Wasseraufbereiter macht Leitungswasser beim Wasserwechsel aquarientauglich.
Komplettset oder einzeln kaufen?
Komplettset
günstig und schnell
alles aufeinander abgestimmt
Filter und Licht oft eher schwach
Einzeln kaufen
jedes Teil passt genau
bessere Technik möglich
mehr Aufwand und meist teurer
Für den Einstieg ist ein gutes Komplettset ein vernünftiger Weg. Schau aber genau, was drin ist. [Link: Ratgeber Komplettset]
Deine Einkaufsliste
Zum Abhaken beim Einkaufen. Zwei Varianten – je nachdem, wie viel Platz du hast.
Sparsam
ca. 54 Liter, für den kleinen Einstieg
Solide
ca. 80 Liter, mehr Spielraum für Fische
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3. Einrichten: die richtige Reihenfolge

- Becken reinigen: nur mit klarem Leitungswasser und einem sauberen Schwamm. Seife und Putzmittel dürfen nie ins Aquarium. Am besten bekommt das Aquarium eigene Eimer und Schwämme, die nur dafür verwendet werden.
- Rückwand anbringen, solange das Becken noch leer ist. Die einfachste Lösung ist eine Folie außen auf der Rückseite.
- Bodengrund einfüllen: zuerst den Nährboden, darüber einige Zentimeter Sand oder Kies. Kies vorher in einem Eimer gründlich auswaschen, er ist meist staubig.
- Technik einsetzen: Filter und Heizstab so platzieren, dass das Wasser gut zirkuliert. Hinter hohen Pflanzen im Hintergrund sind sie kaum zu sehen.
- Steine, Wurzeln und Pflanzen: vorne die niedrigen, hinten die hohen Pflanzen. Wurzeln nur so tief einsetzen, dass sie nicht faulen.
- Wasser einfüllen: langsam über eine flache Schale, damit der Boden nicht aufgewirbelt wird. Etwa zwei Zentimeter unter dem Rand aufhören.
- Technik einschalten: Filter, Heizstab und Licht in Betrieb nehmen. Ab jetzt beginnt das Einfahren.
Strom erst einschalten, wenn der Heizstab vollständig im Wasser steht. Viele Heizstäbe dürfen nicht an der Luft laufen; beachte die Anleitung des Herstellers.
4. Einfahren: Geduld rettet Fische

Dein Becken ist eingerichtet, das Wasser läuft, alles sieht fertig aus. Trotzdem fehlt noch das Wichtigste: die Bakterien, die das Wasser sauber halten. Bis sie da sind, vergehen oft mehrere Wochen.
Setze keine Fische ein, bevor der Nitrit-Wert wieder gesunken ist. Nitrit ist für Fische giftig, und genau in dieser Phase sterben bei Einsteigern die meisten Tiere.
Was beim Einfahren passiert
entsteht aus Futterresten, Pflanzenteilen und später aus den Ausscheidungen der Tiere. Steigt als Erstes an.
Bakterien wandeln Ammonium in Nitrit um. Der Wert steigt stark an – der Nitrit-Peak – und fällt danach wieder.
Weitere Bakterien wandeln Nitrit in Nitrat um. Steigt es, arbeitet dein Filter. Nitrat entfernst du mit Wasserwechseln.
Die drei Phasen
Wie lange das dauert, ist von Becken zu Becken verschieden. Der Hersteller sera weist darauf hin, dass der Nitrit-Peak auch erst nach mehr als vier Wochen auftreten oder länger anhalten kann. Entscheidend ist also nicht der Kalender, sondern dein Messwert.
Kann man das beschleunigen?
Etwas, ja. Bakterienstarter aus dem Fachhandel bringen die nötigen Bakterien direkt ins Wasser. [Produktempfehlung*] Messen musst du trotzdem: Auch mit Starter ist das Becken erst bereit, wenn der Nitrit-Wert wieder gesunken ist.
5. Die ersten Fische

Ist der Nitrit-Peak vorbei, kann es losgehen. Jetzt zählt: nicht zu viel, nicht zu schnell.
Die richtige Auswahl
- Endgröße beachten: Im Handel werden oft Jungtiere verkauft, die noch deutlich wachsen.
- Schwarmfische nie einzeln: Sie brauchen eine Gruppe, um sich wohlzufühlen.
- Lieber dicht bepflanzt und wenige Fische als umgekehrt.
- Zu deinem Wasser passend: Hier helfen die Werte, die du in Schritt 1 erfragt hast.
Fische für Einsteiger
Vier bewährte Arten und was sie mindestens brauchen.
Panzerwels
Corydoras paleatus- Becken
- ab 54 l
- Gruppe
- mind. 6–7 Tiere
- Temperatur
- 20–25 °C
Lebt am Boden – braucht feinen Sand.
Guppy
Poecilia reticulata- Becken
- ab 100 l für 10 Tiere
- Gruppe
- nur in Gruppen
- Temperatur
- 18–28 °C
Mag eher hartes Wasser.
Zebrabärbling
Danio rerio- Becken
- ab 150 l
- Gruppe
- mind. 10 Tiere
- Temperatur
- 20–26 °C
Sehr lebhaft – braucht viel Schwimmraum.
Roter Neon
Paracheirodon axelrodi- Becken
- ab 100 l
- Gruppe
- mind. 10, besser 30
- Temperatur
- 23–27 °C
Braucht weiches Wasser.
Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und Schweizer Tierschutz STS, „Aquarienfische: passende Aquarien, richtige Einrichtungen und geeignete Artenwahl“, 2. Auflage, Januar 2023. Ein Aquarium sollte laut dieser Broschüre nicht kleiner als 54 Liter sein.
In welcher Reihenfolge?
Ein bewährter Weg: zuerst Schnecken, dann Garnelen, die Fische etwas später. Setze nicht alle Tiere auf einmal ein und füttere anfangs sparsam – nur so viel, wie in wenigen Minuten gefressen wird.
Vom Laden ins Becken
- Schnell nach Hause: Die Tiere reisen im Beutel mit Wasser und Luft. Lass sie nicht lange im kalten oder heißen Auto.
- Temperatur angleichen: Den geschlossenen Beutel etwa zehn Minuten im Aquarium schwimmen lassen, z. B. mit einer Wäscheklammer am Rand befestigt.
- Wasser mischen: Beutel öffnen, etwas Aquarienwasser dazugeben und weitere zehn Minuten warten.
- Umsetzen: Die Fische vorsichtig mit einem Kescher ins Becken setzen. Das Beutelwasser kommt nicht ins Aquarium.
- Licht aus: Am ersten Tag beruhigt ein abgedunkeltes Becken die neuen Bewohner.
6. Pflege: eine Viertelstunde pro Woche

Ein eingefahrenes Aquarium braucht wenig, aber regelmäßig Pflege.
Filter nie heiß oder mit Putzmittel reinigen. Im Filtermaterial leben die Bakterien, die du beim Einfahren mühsam aufgebaut hast. Danach den Filter so schnell wie möglich wieder anschließen.
Licht und Ruhe
Zu Beginn reichen wenige Stunden Licht am Tag, später etwas mehr; beachte die Empfehlung des Herstellers deiner Beleuchtung. Wichtig ist die Regelmäßigkeit: Auch Fische haben einen Tagesrhythmus, den eine Zeitschaltuhr zuverlässig einhält.